Vom Brauhaus in den Hopfengarten

Junge Brauer aus Straubing helfen in der Hallertau beim Hopfenanleiten

Wie viele Landwirte, suchte auch Sebastian Kürzinger aus Eichelberg bei Geisenfeld im Frühjahr 2020 händeringend nach Helfern für seine Hopfengärten. Die Karmeliten Brauerei, als langjähriger Abnehmer, sprang dabei zur Hilfe. Zwei ihrer Mitarbeiter, die normalerweise für das Bierbrauen und -abfüllen zuständig sind, halfen rund zwei Wochen in der Landwirtschaft mit. Beim Hopfenandrehen leisteten sie wichtige und vor allem körperlich anstrengende Arbeit, die aber auch Spaß machte und eine Abwechslung zum Alltag bot. „Als wir von unserem Partner, der IGN Hopfenvermarktungs- und Vertriebs-GmbH, erfuhren, dass dringend Arbeitskräfte gesucht werden, haben wir sofort reagiert. Für uns war klar, dass wir die Landwirte aus unserem kontrollierten Vertragsanbau jetzt nicht im Stich lassen!“, sagt Thomas Eichenseher, Braumeister der Karmeliten Brauerei.

 

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Die Helfer tummeln sich im Hopfengarten zum Anleiten der jungen Triebe.

Gerade Anfang Mai werden von den Hopfenbauern in der Hallertau viele fleißige Hände zum Anleiten der Hopfentriebe benötigt. In den letzten Jahren waren dafür 13 Saisonarbeiter aus dem Ausland auf dem Hopfenhof Kürzinger beschäftigt. Nicht so in diesem Jahr. Diesmal musste aufgrund der geänderten Einreisebestimmungen schnell Ersatz gefunden werden. Schließlich gilt es rund 30 Hektar Anbaufläche zu bearbeiten. Neben Perle, Tradition, Opal und Magnum, baut Kürzinger vor allem die Hopfensorte Herkules an. Die wird am meisten nachgefragt. Genug Arbeit gibt es im Hopfenanbau das ganze Jahr hindurch: Anfang März werden die Drähte aufgehängt. Sobald der Hopfen zu wachsen beginnt, wird er geschnitten und der Draht in die Erde gesteckt. Dann folgt das Andrehen der kleinen Hopfentriebe. Ende September können die Hopfendolden dann geerntet werden.

 

 

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Hopfenlandwirt Sebastian Kürzinger und Christoph Koller von der Karmeliten Brauerei kontrollieren die Hopfenpflanzen.

Christoph Koller und Matthias Lerch von der Karmeliten Brauerei waren zum ersten Mal in den Hopfengärten mit dabei. Mit ihnen halfen zahlreiche Studenten aus Weihenstephan, eine Münchner Oktoberfestbedienung, sowie Familienmitglieder und Freunde von Sebastian Kürzinger beim Anleiten des Hopfens mit. Ebenfalls mit dabei war eine echte Weltenbummlerin, die aufgrund von Corona leider ihre Weltreise unterbrechen musste und daraufhin kurzum ihre Hilfe anbot. „Bei der Arbeit kniet oder hockt man vor der Hopfenpflanze. Dabei dreht man drei möglichst gleich gewachsene Triebe im Uhrzeigersinn auf dem Draht auf, während man die restlichen Triebe abschneidet. Dann geht’s weiter zur nächsten Pflanze“, beschreibt Christoph den Arbeitsvorgang. „Leider wurden wir mehrmals von Regenschauern überrascht. Aber da beißt man die Zähne zusammen und macht bis Feierabend weiter. Ausreden gibt es nicht, denn die Zeit drängt“. Besonders die gute Stimmung unter den Helfern begeisterte ihn. Trotz der harten Arbeit hatte immer jemand einen lustigen Spruch auf den Lippen.

 

 

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Christoph dreht die Hopfentriebe auf den Draht - immer im Uhrzeigersinn.

Den Brauern der Karmeliten Brauerei sind regionale Rohstoffe zur Herstellung ihrer verschiedener Biersorten äußerst wichtig. Neben dem Hopfen aus der Hallertau beziehen sie ihr Malz von Vertragslandwirten aus dem Straubinger Umkreis. Brauwasser wird aus dem eigenen 100 Meter-Tiefbrunnen gewonnen. Dass hinter der Aufzucht des Hopfens viel Arbeit und großer Aufwand steckt, konnten die engagierten Helfer nun selbst erleben. „Ich würde die Arbeit in den Hopfengärten jedem empfehlen. Abends schmerzt der Rücken zwar schon etwas, aber man ist den ganzen Tag in der schönen Natur und lernt gleichzeitig viel über Hopfenpflanzen.“, sagt Christoph. Für die beiden Karmeliten Jungs war es Ehrensache in diesem schwierigen Jahr den Hopfenlandwirten beim Anleiten zu helfen. Außerdem möchten Sie im September gerne nach Eichelberg zurückkommen, um auch bei der Hopfenernte mit dabei zu sein.

Straubing, 20.05.2020